1876-1898

Der erste Schulleiter war der

 

Lehrer Florentin Kaufmann (Schulleiter vom 01.03.1875 bis 01.07.1876);

 

er hatte 71 Knaben und 69 Mädchen zu unterrichten, also insgesamt 140 Kinder, die vorher die katholische Schule in Huckarde, die evangelische Schule in Dorstfeld und die katholische Schule in Dortmund besucht hatten. Die Katholiken Dorstfelds gehörten zur Pfarr- und Schulgemeinde Huckarde. Die evangelische Schulgemeinde Dorstfeld stellte bei Einrichtung der katholischen Schule vorläufig ein Klassenzimmer zur Verfügung. Die Oberklasse wurde des Morgens von 8 bis 10 Uhr und des Nachmittags von 1 bis 3 Uhr und die Unterklasse des Vormittags von 10 bis 12 Uhr unterrichtet. Am 12.06.1876 war die Zahl der Schulkinder auf 161 gestiegen. Lehrer Kaufmann verließ am 01.07.1876 Dorstfeld, um eine Lehrerstelle in Duisburg – Hochfeld zu übernehmen. An seine Stelle trat der

 

Lehrer Zimmermann (Schulleiter vom 02.07.1876 bis 30.04.1883).

 

Die Zahl der Schulkinder wuchs schnell, schon am 01.05.1879 wurde eine zweite Lehrerstelle eingerichtet. Die Kinder wurden auch jetzt noch in einem Klassenzimmer unterrichtet, und zwar vormittags von 7 bis 10 Uhr die größeren, von 10 bis 12 Uhr die kleineren und nachmittags wider die größeren von 1 bis 3 Uhr und von 3 bis 5 Uhr die kleineren. Das Jahr 1880 brachte für die Dorstfelder Katholiken eine glückliche Wendung der Schulverhältnisse. Am 22.01. wurde durch die Zeitung der Bau einer katholischen Schule ausgeschrieben. Das Grundstück des Landwirts Lücker wurde angekauft und schon am 15.03. mit der Ausschachtung begonnen. Das Grundstück lag an der jetzigen Arminiusstraße, da, wo jetzt die Barbaraschule I steht, neben der katholischen Kirche. Am 25.03. legte man den Grundstein. Es wurde vorläufig nur der östliche Flügel des jetzigen Gebäudes gebaut, der schon am 31.05. unter Dach kam. Die Weihe des Hauses geschah am 04.11. durch Herrn Kaplan Löhers von Dortmund. Noch am selbigen Tage wurde es bezogen. Es wurden drei Klassen eingerichtet mit insgesamt 211 Schulkindern. Am 27.02.1881 wurde in Anwesenheit des Ehrenamtmannes Deusemann, des Lehrers Zimmermann und des Schulvorstandsmitglieds Clemens Krumme durch den Gärtner Wallraff die neben der Barbaraschule an der Arminiusstraße entlang stehenden 4 Bäume, zwei Kastanien und zwei Ulmen, und die parallel mit der Hauptfront des Schulhauses stehenden neun Linden gepflanzt. An der Schule herrschten jedoch katastrophale Verhältnisse, wie der folgende Zeitungsartikel aus der Dortmunder Zeitung vom 25.04.1878 bescheinigt:

 

 „Dorstfeld, 24.04.1878. Während an der hiesigen evangelischen Schule bei etwa 350 Schülern 4 Lehrer und eine Lehrerin angestellt sind und bei der israelitischen Schule mit 40 Kindern ebenfalls 1 Lehrer wirkt, hat der katholische Lehrer, Herr Zimmermann, - sage und schreibe – allein 170 Kinder zu unterrichten. Daß dies trotz der anerkannten Tüchtigkeit des Lehrers nur auf Kosten der Schüler geschehen kann, ist wohl selbstverständlich. Von den in zwei Klassen eingetheilten Schülern erhalten die größeren wöchentlich nur 20 Sunden und die jüngeren sogar nur 16 Stunden Unterricht. Wie der Lehrer es fertig bringt, nachdem er täglich 170 Schreibhefte korrigiert sich für den anderen Tag zu präpariren, ist uns unerfindlich. Es herrscht deshalb in unserer Gemeinde nur der eine Wunsch, daß endlich einmal seitens der Regierung die Lostrennung der hiesigen katholischen Schule von der Gemeinde Huckarde erfolgen möge und die sämmtlichen Schulen auf den Gemeinde-Etat übernommen werden."

 

Der

 

 Lehrer Johann Bartholomäus Döring (Schulleiter vom 01.05.1883 bis 05.12.1892),

 

vorher in Schwelm tätig, übernahm am 01.05.1883 die Stelle des Lehrers Zimmermann, der nach Schwelm versetzt war. Da die Oberklasse der Schule mit Beginn des Schuljahres am 21.04.1884 nach Geschlechtern getrennt wurde, musste eine neue Lehrkraft, und zwar eine Lehrerin berufen werden. Es waren also jetzt 4 Klassen vorhanden, die von 2 Lehrern und von 2 Lehrerinnen verwaltet wurden. In einer Sitzung des Schulvorstandes und der Repräsentanten wurde am 15.07.1884 beschlossen, an das vorhandene Schulhaus den westlichen noch fehlenden Flügel anzubauen. Der Bau war dem Bauunternehmer Sandknopp in Barop übertragen, der sogleich mit der Ausführung begann. Die Ausschachtungsarbeiten nahmen am 22.08.1884 ihren Anfang. Die nächsten Monate brachten für den Schulbetrieb viel Unruhe und Störung, denn Handwerker aller Art waren an der Arbeit. Am 15.11.1884 war das Gebäude unter Dach. Am 01.04.1885 sollten die Klassenzimmer fertig sein und zur Benutzung übergeben werden. Die Klassenzimmer waren zwar fertig, aber es fehlten noch die Schulbänke, die Wandtafeln und manche andere notwendigen Gegenstände für den Schulbetrieb. Daher konnte die Versetzung der Schulkinder und die Neuaufnahme der Lernanfänger erst am 15.05. stattfinden, an welchem Tage die neuen Schulräume bezogen werden konnten. Mit Beginn des Schuljahres wurde die Schule vierklassig mit getrennten Oberklassen.

 

 

Klasse Ia 5. bis 8. Schuljahr der Knaben
Klasse Ib 5. bis 8. Schuljahr der Mädchen
Klasse II 3. bis 4. Schuljahr der Knaben und Mädchen
Klasse III 2. Schuljahr der Knaben und Mädchen
Klasse IV 1. Schuljahr der Knaben und Mädchen

 

Da nur 4 Lehrpersonen an der Schule tätig waren, unterrichteten der Lehrer der II. Klasse und die Lehrerin der IV. Klasse die Klasse III gemeinsam. Am 24.10.1885 wurde eine Schulamtsbewerberin vertretungsweise der Schule überwiesen, dadurch wurde der Übelstand beseitigt, dass die Lehrerin der IV. Klasse gemeinsam mit dem Lehrer der II. Klasse auch noch die III. Klasse unterrichteten.

 

Aus dem Dokument „Dorstfelder Schule – Personalia – Schülerzahl im Sommersemester 1885“:

 

 „Klasse 1a: Lehrer Bartholomäus Döring, geb. am 25.03.1849, zuerst angestellt 01.10.1869, hat Gehalt 1350 Mark, freie Wohnung, 90 Mark Alterszulage. 88 Knaben.

 

Klasse 1b: Lehrerin Elisabeth Hartbaum, geb. am 04.05.1862, zuerst angestellt 29.09.1862, hat 900 Mark Gehalt + freie Wohnung. 89 Mädchen.

 

Klasse 2: Lehrer Lukas Rehborn, geb. am 07.03.1863, zuerst angestellt 21.04.1884, hat 1000 Mark Gehalt. 41 Knaben und 46 Mädchen.

 

Klasse 3: Lehrerin Theresia Hundt, geb. am 16.08.1864, zuerst angestellt 21.04.1884, hat 900 Mark Gehalt, provisorisch angestellt. 24 Knaben und 41 Mädchen.

 

Klasse 4: Lehrerin Theresia Hundt, siehe oben. 40 Knaben und 35 Mädchen.“

 

Im Juli 1886 nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr schlug der Blitz während der Schulzeit in das Schulgebäude ein, beschädigte das Mauerwerk unter dem Dache, zerschmetterte einen kleinen Teil des Daches und traf auch das nordöstlich gelegene Klassenzimmer im 2. Stockwerk. Lehrer und Schüler kamen mit dem Schrecken davon. Bis zum 01.10.1891 bildeten die katholischen Eingesessen der Gemeinde Dorstfeld mit Huckarde einen Schulvorstand. Von der genannten Zeit ab erhielt Dorstfeld einen eigenen Schulvorstand.

 

Im Herbst 1892 sollte auch an der katholischen Schule ein Rektorat eingerichtet werden, wie es auch an der evangelischen schon seit 1877 beziehungsweise 1884 bestand. Der

 

Lehrer und Organist Franz Stille (Rektor vom 06.12.1892 bis 01.06.1898),

 

bisher Konrektor an der Städtischen Knabenschule in Haltern, wurde für die Stelle gewählt und trat sein Amt am 06.12. an. Im Beisein des Schulvorstandes, des Lehrerkollegiums und der Knabenoberklasse wurde er am 14.01.1893 durch den Kreisschulinspektor Dr. Große – Bohle in sein Amt eingeführt. Schon im Jahre 1891 wurde die 1944 den Brandbomben zum Opfer gefallene Turnhalle an der Wittenerstraße von der Gemeinde Dorstfeld erbaut, um die Erteilung des Turnunterrichts auch in der Winterzeit zu ermöglichen. Die Einweihung fand unter Teilnahme auch der Schulkinder der Dorstfelder Schulen durch Vorführung von Freiübungen, Reigen und Geräteübungen statt. Die Halle war immer mit Geräten aller Art gut ausgerüstet. Die Schulen freuten sich der schönen Errungenschaft. Am Anfang des Jahres 1898 wurde Rektor Stille vom Schulvorstand in Hamm als Rektor gewählt und von der Regierung zum 01.06. nach dort berufen. Er hat zwar nur kurze Zeit die hiesige Schule geleitet, aber allen seinen Mitarbeitern viel Anregung gegeben. 1898 wurde er zum Kreisschulinspektor in Bochum ernannt. Dort starb er 1907.

 

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